Die Inkas waren ein hoch stehendes Kulturvolk

Veröffentlicht am 07.02.2012 in Aus dem Parteileben

Hartmut Wilhelm informierte bei der SPD-AG 60 plus über das Andenland Peru. "Auf den Spuren der Inkas" hieß der Reisebericht, den der pensionierte Geschichtslehrer Hartmut Wilhelm bei der Arbeitsgemeinschaft 60 plus des SPD-Kreisverbandes Heilbronn-Land zum Besten gab. Kurzfristig war er für einen anderen verhinderten Referenten eingesprungen und vermittelte auch ohne Bilder und Beamer - wegen technischer Schwierigkeiten - ein plastisches Bild von diesem südamerikanischen Andenland, gespickt mit launigen Anmerkunen.

Als die spanischen Konquistadoren in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die "neue Welt" entdeckten, eroberten und erschlossen, stießen sie auf hoch entwickelte Kulturen: Inka, Maya und Azteken, die sich wiederum auf 1000 Jahre alte andere andine Hochkulturen gründeten. Im Hochland des heutigen Peru hatten die Inkas ihr Reich. Dem nachzuspüren war das Ziel der Studienreise von Hartmut Wilhelm und einem halben Dutzend Mitreisenden.
Was Wilhelm in den "Ruinenstätten" zu sehen bekam, hat ihn nachhaltig beeindruckt: "Die Inkas repräsentierten offenbar eine kulturelle, zivilisatorische und politische Herrschaft von hohem Rang und vermochten dank geschickter Kriegsführung andere Völker zu erobern und in ihre Dienste einzuspannen." Erstaunlich fand Wilhelm insbesondere die Baukunst der Inka. Wie waren sie in der Lage, kilometerlange gigantische Mauern mit exakt behauenen Granitblöcken in die Landschaft zu stellen, ohne Mörtel zusammenzufügen? Ringsum hohe Berge und Abgründe. Wie gestaltete sich die Beschaffung? Die Inkas kannten weder Rad noch Pferd, nur Lamas. Zudem legten sie in ihrem Reich ein 15 000 km langes Fernstraßennetz an, auf denen Läuferkuriere für funktionierende Transport-Verbindungen sorgten.

Die Inkas verfügten über eine hervorragend angepasste Landwirtschaft mit dem Anbau vielfältiger Kartoffelsorten in diffizilen in Terrassenanlagen, über ein Rechensystem mit Knotenschnüren, über ein ausgeprägtes Kunsthandwerk und über reiche Silber- und Goldschätze - was ihnen zum Verhängnis wurde und dem spanischen Imperium zu Reichtum und den Kolonialherren im Lande zu prunkvollen Bauwerken verhalf. Bis 1532 unterwarf Pizarro mit überlegener Streitmacht das Reich der Inkas. Der in Gefangenschaft geratenen letzte Sonnenkönig der Inka sollte dafür sorgen, dass seine Gefängniszelle voll mit Gold gefüllt werden sollte, doch trotz erfüllten Befehls wurde er 1572 hingerichtet, und so endete nach fast vier Jahrhunderten das stolze Inka-Reich.

Davon zeugen noch heute die riesigen Ruinenanlagen der früheren Inka-Hauptstadt Cuzco in 3500 m Höhe und die 120 km entfernte sagenhafte Sommerresidenz und Religionsstätte Macchu Pichi, eine terrassierte Festung in 2400 m Höhe, die erst vor 100 Jahren "entdeckt" wurde. Wilhelm besichtigte beide Plätze, die inzwischen zum Weltkulturerbe der Menschheit gehören und heute von Touristenströmen überschwemmt werden. Und er sah auch die noch unergründeten "Nazca-Linien", wo er bei einem spektakulären Rundflug aus der Vogelperspektive die "Scharrbilder", geometrische Figuren sowie tier- und menschenähnliche Figuren auf graubraunen Geröllschichten, erkennen konnte. Und er kam auch zum Titicacasee an der Grenze zu Bolivien, 15mal so große wie der Bodensee, 3500 m ü. d. M., wo vor allem die schwimmenden Schilfinseln in dem tiefblauen Wasser eine Touristenattraktion sind.

Die Nachfahren der aus der Kultur- und Sprachengruppe der Ketschua stammenden Inkas leben heute in dem an sich (an Bodenschätzen) reichen Land Peru überwiegend in großer Armut und Apathie, werden domestiziert von einer kleinen reichen (weißen) Oberschicht, die in abgekapselten und ummauerten Villen in den Großstädten leben. In den armseligen Dörfern fallen sie lediglich durch ihre bunten Traditionsgewändern auf; in der Millionen-Hauptstadt Peru fristen sie in wasser- und stromlosen Slums ein trostloses Dasein, wie Wilhelm feststellte. Peru ist zwar seit 200 Jahren unabhängig, litt aber immer unter Diktaturen und Militärregierungen, ist seit 1980 Demokratie, jedoch nach "Gutsherrenart", was in den 80er und 90er Jahren die von Professor Guzmann gegründete Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" auf den Plan rief. Trotz politischer Beruhigung sind die sozialen Gegensätze nach wie vor groß, doch die Verbesserung der ungleichen Verhältnisse dürfte laut Hartmut Wilhelm noch viele Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Helmut Sauter

 

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