VI. Historischer Ortsrundgang

Veröffentlicht am 07.05.2013 in Gemeindenachrichten

Unser VI. Historischer Ortsrundgang war mit 30 Begleitern wieder ein großer Erfolg. Besonders gefreut hat uns, dass wir eine lebhafte Gruppe waren, von denen viele Alteingesessene einen eigenen Beitrag beisteuerten oder unsere Beiträge durch eigenes Wissen ergänzten. So können auch wir noch immer dazulernen.

Wir starteten am Grabdenkmal für Graf Albrecht von Löwenstein und Scharfeneck, das zwar erheblich beschädigt ist aber doch seine Geheimnisse offenbart. Graf Albrecht lebte von 1536 bis 1587 und besaß nur Abstatt und die Burg Wildeck, da die beiden Grafschaften unter den vier Brüdern aufgeteilt wurden. Das war auch der Grund dafür, dass Abstatt dann bis über den 30-jährigen Krieg hinaus eine eigene Geschichte hatte, zeitweise dem Bischof von Wien und danach dem Obristen Peter Pflaumer gehörte und bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden 1648 zwischen den beiden Löwenstein-Wertheimer Häusern heiß umkämpft war.

Graf Albrecht, mit dem selbstgewählten Beinamen „Graf zu Wildeck“ prägte Abstatt. Wahrscheinlich wurde auch unter ihm das alte Rathaus –damals das Schloss- und auch die Vorgängerkirche erbaut. Das alte Rathaus wurde 1756 unter weitgehender Beibehaltung seines äußeren Aussehens nur umgebaut und renoviert. Von der alten Kirche existiert noch der Chor, der heute als Sakristei dient.

Die Wappenfolge auf dem Epitaph beweist, dass die Annahme es könnte auch Wolfgang II abgebildet sein, falsch ist. Die Wappen zeigen, links unten angefangen im Uhrzeigersinn, das Wappen der Erbtruchsesse von Waldburg-Wolfegg (die drei Ungeheuer), das Wappen der Grafen von Königsegg (ein rot-gelbes Rautenfeld, Oberschwaben), das Wappen von Löwenstein-Scharfeneck (vier Löwen, zusammengesetzt aus zwei stehenden Scharfenecker Löwen und 2 auf allen Vieren stehenden Löwen von Löwenstein, der Löwe im aktuellen Ortswappen von Abstatt ähnelt daher eher dem Scharfenecker Löwen; in der Mitte des Wappens der „bayrische Wecken“), und schließlich das Wappen der Grafen von Montfort (mit dem Teppichmuster, aus Tettnang). Die vier Wappen sind die der vier Großeltern von Albrecht. Wäre es Wolfgang II, müssten die Wappen des Freiherrn von Hewen und des Grafen von Hohenlohe-Neuenstein auf dem Stein sein.

Vom Epitaph ging es zum Ambiente mit seiner wechselhaften Geschichte als Wirtshaus und Bäckerei und der kunstbegabten Verwandtschaft des letzten Bäckers Kämpf.

Wir zwängten uns durch die obere Drittelgasse, vorbei an den Überresten des fürstlichen Drittelgartens, dessen Gemüse- und Obstfrüchte die Mitarbeiter der fürstlichen Hofkammer „zu genießen“ hatten, wie es auf dem alten Plan steht, den wir herumzeigen konnten. Der Garten war 3300 qm groß und lag zwischen Benzengasse, Oberer und Unterer Drittelgasse.

In der Unteren Drittelgasse stießen wir auf die alte Abstatter „Turnhalle“, die heute als Schuppen dient und vom ursprünglichen Platz am alten Sportplatz hierher versetzt wurde. Gerade hier konnten unsere Wegbegleiter einige Details beisteuern. Von hier war es nicht mehr weit zum „Inselwirt“, heute bekannter als Hotel Hiller, das seinen damaligen Namen aus der Tatsache bezog, dass es im letzten Eck der von Mühlbach und Schozach gebildeten Insel lag. Mit einer von Herrn Schiedewitz zur Verfügung gestellten Karte aus dem Jahre 1832 konnte dies verdeutlicht werden.

Dieser Plan zeigte uns auch gleich die Lage des nächsten Highlights, über das wir berichten wollten, den „Hochfürstlichen Tummelgarten“, in dem heute passender Weise das Hotel Ludwig I seinen Platz gefunden hat. Wir konnten eine Darstellung von 1756 zeigen, wonach der Tummelgarten (eine fürstliche Reitanlage) vom Mühlbach durchflossen wurde, einen Brunnen, einen kleinen See und ein Gartenhaus aufwies. Aus Rathausunterlagen von Frau Dr. Ritter wissen wir, dass der Garten 40 Jahre später verwildert, verwachsen und das Gartenhaus zerstört war und dringend wieder hergerichtet werden sollte. Ob das dann auch geschah, ist bislang unbekannt.

Am Rathaus angekommen, haben wir ein wenig die Baugeschichte dieses Gebäudes revidiert. Es wurde nicht in der zweiten Hälfte des 18. Jh. erbaut, sondern nur umgebaut. Das äußere Erscheinungsbild des alten Rathauses stimmt heute noch weitgehend mit dem alten Schloss überein, das wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 16. Jh. erbaut wurde. Nur der damals an der Vorderseite liegende Kellerabgang wurde an die tiefer liegende Ostseite verlegt, wodurch der heute für Trauungen genutzte Raum vergrößert werden konnte. Grundmauern und Außenwände des alten Schlosses sind heute noch erhalten, nur im Inneren des Gebäudes gab es viele Veränderungen.

Wir haben bei dieser Gelegenheit daran erinnert, dass es in Abstatt nur 6 unter Denkmalschutz stehende Gebäude gibt, die Kirche, das alte Rathaus, die Burg Wildeck, das Backhaus, das Waltz´sche Haus und das Frank´sche Haus. Und am letztgenannten Haus, dem schönsten Haus Abstatts, endete dann auch unsere Führung. Friederike Rust beschrieb die bedeutenden Elemente des eichenen Fachwerks am aus dem 16/17 Jh. stammenden Haus, das von der heutigen Besitzerfamilie liebevoll restauriert wurde. Nur der Eckstein aus dem Jahre 1795, als schon einmal eine Sanierung stattfand, gibt noch Rätsel auf. Die Bedeutung der Buchstabenfolge J.J.E.B. und F.P. konnte nicht geklärt werden. Eine Vermutung ist, dass es ein verkürzter Wunsch sein könnte. Falls hier jemand eine Idee hat, wären wir für Hinweise dankbar.

Dieses Mal wurde die Führung vorgenommen von: Friederike Rust (Drittelgarten, Tummelgarten, Frank´sches Haus), Gudrun Maute (Ambiente) und Jürgen Maute (Epitaph und Rathaus). Wir danken allen, die uns auf diesem Rundgang begleitet haben. Wir bedanken uns insbesondere auch für alle Beiträge.

 

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